Wer Preise senkt, der senkt auch das Tierschutzniveau

Aldi Süd hat massive Preissenkungen um über 23 Prozent bei Eiern umgesetzt, weitere Unternehmen ziehen nach. Erst im Sommer hatten Discounter die Fleischpreise gesenkt. Diese Billigpreispolitik und Billigbewerbung von Lebensmitteln kritisiert der Deutsche Tierschutzbund zum Beginn der Grünen Woche scharf. Die Branchenlösung „Initiative Tierwohl“ kritisiert der Verband erneut als in der Methodik falschen Weg. Zum zweistufigen Tierschutzlabel zieht der Verband eine grundsätzlich positive Bilanz nach dem Marktstart vor zwölf Monaten. Die Bundesregierung fordert der Deutsche Tierschutzbund auf, rasch die Umsetzung der im Koalitionsvertrag – wenigen – genannten Tierschutzfragen anzugehen.

„Wer Preise senkt, der senkt auch das Tierschutzniveau. Denn es geht auf Kosten der Tiere, wenn die Tierhalter, immer weniger Geld für Ihre Produkte bekommen und sich die Produktionskosten nicht mehr decken. Wir müssen endlich aufhören zu diskutieren, ob tierische Lebensmittel zu teuer sind, sondern klarstellen, dass sie zu billig sind“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.  Der Handel sollte sich seiner Verantwortung stellen und die richtigen marktpolitischen Weichen stellen.

Zugleich kritisiert der Deutsche Tierschutzbund die sogenannte Branchenlösung „Initiative Tierwohl“ erneut. Zwar sei es der richtige Weg in der Breite Veränderungen durchzusetzen und den Landwirt für mehr Tierschutz auch zu belohnen. „Wer Lösungen sucht, der erkennt Probleme an. Das ist sicher auch bemerkenswert, denn noch vor kurzem hat die ganze Branche, auch der Deutsche Bauernverband, nahezu alle Probleme verharmlost“, so Schröder. Aber die Methodik bringt für Schweine und auch Geflügel keine entscheidenden Verbesserungen, zudem bleibt besonders bei Schwein die Verbrauchertransparenz auf der Strecke, führt Schröder aus. Besonders pikant: Aldi Süd und weitere Unternehmen, die Preissenkungen umgesetzt haben, gehören zu den Unternehmen, die gerade erst die Absichtserklärung zu einer Branchenlösung „Initiative Tierwohl“ unterschrieben und damit Zusatzbonitierungen für Landwirte zugesagt haben. Angesichts des Preiskrieges zu Lasten der Landwirte und damit der Tiere scheint daher zweifelhaft, ob diese Zusagen ernst gemeint sind.

Bei seinem eigenen zweistufigen Tierschutzlabel zog der Verband nach einem Jahr eine positive Bilanz. Die Erfahrungen zeigen auch, wie wichtig auf diesem Weg die stetige Beratung für Landwirte und die Nähe des Landwirtes zum Tier ist. Ernüchterung herrscht darüber, dass der Handel in der Breite noch immer zögerlich reagiert. Es gibt zudem viele aus Sicht des Verbandes untaugliche Versuche aus der Branche, Labelprozesse zu bremsen. „ Fleischverzicht bleibt der direkteste Weg zu mehr Tierschutz. Das Tierschutzlabel aber wird als Kaufalternative, für die, die noch Fleisch essen, seinen Weg gehen, das ist unumkehrbar und alternativlos, um jetzt und sofort erste Verbesserungen für Tiere durchzusetzen“. Allerdings ist auch nach wie vor der Gesetzgeber in der Pflicht: Es braucht höhere gesetzliche Standards und es braucht ein staatliches Tierschutzsiegel, die fairsten Lösung für alle am Prozess der Lebensmittelerzeugung Beteiligten, aber auch für den Verbraucher.

„Der schwarz-rote Koalitionsvertrag hat viele drängende Tierschutzfragen nicht angesprochen. Aber wir erwarten, dass den Versprechen, die im Vertrag gemacht wurden, schnellstens Taten folgen. Wir haben den Bundesminister Unterstützung zugesagt, wenn es darum geht, mehr Tierschutz in den Ställen und in den anderen Bereichen umzusetzen“, so Thomas Schröder abschließend.

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